„Ich weiß gar nicht, was mich erwartet“

ELL, WIEN. Agnes Palmisano hat an der Wiener Universität für Musik und Darstellende Kunst Gesang studiert. Heuer spielt die Künstlerin erstmals bei der Pramtaler Sommeroperette mit.

Tips: Frau Palmisano, Sie haben vor einiger Zeit im Zuge eines Interviews gesagt, dass Sie gerne einmal bei einer Operette mitmachen würden. Feiern Sie in Zell ihre Operetten-Premiere?

Palmisano: Nein! Ich habe bereits auf der Universität bei einigen Opern- und Operettenproduktionen mitgewirkt, und danach mehrmals, zum Beispiel in der „Fledermaus“ oder im „Weißen Rössel“ gespielt. Meine letzte Operettenproduktion war vor rund drei Jahren an der Wiener Volksoper. Aber gemessen daran, wie gerne ich Musiktheater spiele, habe ich in den letzten Jahren viel zu wenige Produktionen gemacht. Das liegt vor allem daran, dass ich als Mutter zweier kleiner Kinder andere Prioritäten hatte. Eine Operetten- oder Opernproduktion ist in der Vorbereitung durch die Probenarbeit sehr zeitintensiv.

Tips: Haben Sie schon einmal eine Aufführung der Pramtaler Sommeroperette live gesehen?

Palmisano: Nein, noch nie. Ich weiß gar nicht, was mich erwartet.

Tips: Wie kam es zu Ihrem Engagement in Zell?

Palmisano: Die Studienleiterin Erika Roubal erzählte mir bei einem zufälligen Zusammentreffen von ihren Aktitiväten bei der Sommeroperette und zeigte mir einen Folder, auf dem Harald Wurmsdobler, mein ehemaliger Studienkollege, abgebildet war. Ich habe ihn sofort wiedererkannt und ließ ihm ausrichten, dass ich gerne in Zell mitspielen würde. Kurz danach hat mich Harald kontaktiert.

Tips: Welche Rolle spielen Sie und was können Sie uns darüber erzählen?

Palmisano: Ich bin Berta Fliederbusch, geborene Wachtl. Mein Mann August (Harald Wurmsdobler) und ich sind die beiden titelgebenden Landstreicher: zwei Menschen, die sich den Normen und Konventionen nicht beugen. Nicht aus Not, sondern aus Überzeugung. Übersetzt auf heute: ein Künstlerpaar.

Tips: Ihr Spezialgebiet ist der Dudler. Wie sehr unterscheidet sich dieser vom Jodeln?

Palmisano: Im 19. Jahrhundert hat man in Wien die Wörter Dudeln und Jodeln parallel verwendet, es gibt aber natürlich wesentliche Unterschiede  zwischen Wiener Musik und -regional ebenfalls verschiedener alpenländischer Volksmusik. Auch im Stück werde ich einen Dudler singen, den Karl Millöcker für Marie Geistinger (die erste Wiener Operettendiva und Direktorin des Theater an der Wien) komponiert hat.

https://www.tips.at/news/zell-pram/land-leute/467416-ich-weiss-gar-nicht-was-mich-erwartet

Die Presse: Das war nicht immer lustig

Die Presse – Das war nicht immer lustig (pdf)

Musikpost: Der Superstar des Dudelns

Musikpost: Der Superstar des Dudelns (pdf)

Interview mit Agnes Palmisano zur neuen CD

„Agnes Palmisano“ aus Rubato vom 29. November 2018 Radio Klassik Stephansdom!

Mein Herz hängt an Wien

CD Release Konzert am 29.11. im Wiener Musikverein

Agnes Palmisano: „Ich singe, wo man mich lässt“

Agnes Palmisano: „Ich singe, wo man mich lässt“

Agnes Palmisano beim Festival aufhOHRchen in Wiener Neustadt. Dort ist sie in die Schule gegangen.

 

Ihr Nachname klingt nicht wienerisch. Eher nach Mafia.

Agnes Palmisano: Meine Vorfahren waren Wein- und Olivenbauern in Apulien.

Und was hat sie hierher verschlagen?

Palmisano: Der Hunger und die schlechte Arbeitssitua tion. 1904 ist mein Urgroßvater in den Norden gegangen und hat beim Karawankentunnel mitgebaut.

Kam durch Roland Neuwirth zur Volksmusik: Agnes Palmisano, die große Meisterin des Wienerliedes.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ihr Vater, Simon Palmisano, war Militärattaché. Sie wirken gar nicht militärisch.

Palmisano: Gott sei Dank, da wird sich mein Vater freuen. Aber fragen Sie meine Söhne, die behaupten, ich sei sehr streng … Für meinen Vater jedenfalls war eine Karriere beim Bundesheer neben Priester die einzige Option, studieren zu können. Das war eine arme Familie mit acht Kindern. Vater hätte eigentlich Hafnermeister werden sollen wie sein Onkel, der auch Simon geheißen hat. Da hätten sie das Firmenschild nicht wechseln müssen.

Ihr Vater ist sehr kunstaffin – hat er Ihnen das vererbt?

Palmisano: : Tatsächlich war er sehr kunstsinnig, aber hat das nur sehr marginal ausgelebt. Meine Mutter, eine Salzburgerin, hat immer einen Chor geleitet. Ich bin mit Kirchenmusik aufgewachsen. Aber die Tatsache, dass die Tochter tatsächlich eine Künstlerin ist, das ist ihnen ein bissl ungeheuer. Kunst macht man für sich, für seine Seele, aber das ist kein Beruf. Das ist kein anständiger Beruf, da macht man nur so viel, dass es einem ein bisschen besser geht, da innen drinnen.

Sie haben eine breite musikalische Ausbildung, haben viele musikalische Interessen. Wieso haben Sie sich auf das Wienerlied konzentriert?

Palmisano: Das ist wirklich erstaunlich. Es ist mir ein bisschen passiert. Ich habe auf der Musikuniversität sehr schwer eine Schublade gefunden, habe stimmlich in kein klares Schema gepasst. Aber im Pflichtfach Volksmusikensemble gab’s ein Wochenendseminar in Schottwien mit Roland Neuwirth. Da habe ich meine ersten Wienerlieder gesungen, dazu noch meine ersten beiden Dudler. Damit bin ich dann sofort engagiert worden. Und das war das erste Mal, dass ich das Gefühl gehabt habe: Wow, da gibt’s eine Nachfrage! Da gibt’s Menschen, die sagen, gleichgültig, woher du auch kommst, hier bist du willkommen.

Ist das Dudeln für Sie zu einer Engführung geworden?

Palmisano: Ich komme, je älter ich werde, immer mehr drauf, dass jedes Ding zwei Seiten hat. Das Dudeln ist eine Heimat oder eine Identität geworden, aber natürlich auch eine Einschränkung. Ja, ich würde sehr gerne Oper oder Operette singen, und ich könnte es auch, aber ich werde damit nicht assoziiert, ich bin in einer anderen Schublade. Ich habe nie in eine Schublade gepasst, und jetzt bin ich erst recht in einer. Man landet immer irgendwo.

Täuscht der Eindruck, oder sind Sie jetzt öfter in Niederösterreich am Werk?

Palmisano: Ich habe eine enge Beziehung zur Volkskultur Niederösterreich und deren Geschäftsführerin Dorli Draxler. Aber ich singe sowieso überall, wo man mich lässt und wo man mich engagiert. Und ich freue mich sehr, wenn das öfter in Niederösterreich ist.

Jetzt singen Sie in Wiener Neustadt. Die Rückkehr der jungen Dame?

Palmisano: Ich habe keinen Grund, an Wiener Neustadt in irgendeiner Art Rache zu üben. Ich war dort in der Schule, ich war dort im Turnverein, ich war dort im Tanzkurs, ich war dort!

 

Quelle: NÖN

Agnes Palmisano: Gebirgsfreunde – Alpenverein

Agnes Palmisano zu Gast bei Podium Witteman

Das populäre niederländische Klassikformat „Podium Wittteman“ war zu Gast in Wien. Ich hatte das grosse Vergnügen, dem Moderator und Unterhaltungskünstler Mike Boddé das Dudeln beizubringen und das Ergebnis unserer erfolgreichen Bemühungen in der Sendung zu präsentieren. Weiters singe ich, von Paul Gulda am Klavier begleitet, das wunderschöne Beethovenlied: „I mag di nit nehma, du töppeter Hecht“ WoO 158a/8

Es lohnt sich wirklich, den Beitrag anzusehen – niederländisch ist eine köstliche Sprache….

Die ganze Welt zwischen i und o

Jideln und Jodeln unterscheiden sich im Schriftbild nur durch zwei Vokale. Musikalisch gesehen entfaltet sich aber zwischen ihnen eine ganze Welt. Agnes Palmisano hat mit ihren beiden Partnern Maciej Golebiowski an der Klarinette und Alexander Shevchenko am Bajan, einer chromatischen Knopfharmonika, ein Programm erarbeitet, in dem Liebe und Sehnsucht, Geburt und Tod, Freud und Leid eine friedliche Koexistenz führen.
Munteres Switchen zwischen den Musikgenres
Palmisano, die als Kennerin und Interpretin des Wiener Dudlers dieses Musikgenre in eine jüngere Generation getragen hat, zeigt sich in diesem Programm wesentlich vielseitiger. Mit ihren beiden Musikpartnern gelingt das auch mühelos. Diese machten sich schon lange zuvor bei ihren Auftritten als Klezmer Reloaded und bei ihren CD-Aufnahmen als Crossover-Spezialisten einen Namen.
Im Kurhaus am Semmering griffen die drei Musizierenden in ganz unterschiedliche musikalische Schatzkisten. Jüdisches stand dabei wie selbstverständlich neben alpenländischen Jodlern, Wiener Dudlern, Liedern von Gustav Mahler und jazzigen Klängen. Berührungsängste zwischen den Genres hatte weder das Trio, noch das Publikum, das, von Palmisano, wirkungsvoll aufgefordert, mehrfach innigst mitsingen durfte.
Von der Hochzeit zur Totenbahre

Die österreichisch-polnisch-russische Freundschaft produzierte bei der Premiere ihres neuen Programmes hochfliegende Gefühle, als sich ein jüdischer Hochzeitswalzer von einer züchtigen, ersten Annäherung hin zu einem ausgelassenen, bacchantischen Fest entwickelte. Sie kreierte dunkle Bilder von verhungernden Kindern und sich vom Leben verabschiedenden Poeten, die von Gustav Mahler musikalisch verewigt und vom Trio feinfühlig adaptiert wurden. Und als ob diese Bandbreite nicht schon genug wäre, intonierte Palmisano kunstvollst und leicht zugleich auch noch den Erzherzog-Johann-Jodler, der vom Publikum kräftigst akklamiert wurde.
An anderer Stelle jidelten Golebiowski und Shevchenkio mit ihren Instrumenten im Duett, dass einem dabei schwindlig werden konnte und die Füße nicht still bleiben wollten. Palmisano hingegen ließ mit dem ihr eigenen Schwung und Charme auch die Gattung des Wienerliedes wiederaufleben. Dabei servierte sie mit den launigen Texten, etwa über ein Dirndl und einem Steirerg`wand oder der kleinen Überlandpartie, eine gewaltige Portion Humor.

Arnold Schönbergs „Mahnung“, in der er nach einem Text von Gustav Hochstetter einem jungen Mädel eine passable Anleitung zu einer gelungenen Brautschau offeriert, bekam unter dem Trio einen gänzlich neuen Drive. Es war nicht nur Palmisanos überschwängliche Bühnenperformance, die das Publikum schlichtweg verzauberte. Ihr ist es gegeben, die ganze Bandbreite an Emotionen nicht nur stimmlich, sondern auch mit ihrer extrem sprechenden Mimik auszudrücken. Der Schelm, der ihr hin und wieder aus den Augen blitzt, wurde auch in ihrer Conférance sichtbar, die herrlich leichte Übergänge zwischen den einzelnen Stücken bildete. Nicht zuletzt war es auch die zutiefst menschlich ausgelebte Musikalität, mit der Golebiowski seine beiden Klarinetten und Chevchenkio sein Bajan zum Singen brachten, die das Publikum so sehr beeindruckte und zum Gelingen des Programmes beitrug.
Der KulturSommerSemmering läuft noch bis Anfang September. Weitere Infos auf der Homepage.

Quelle: https://www.european-cultural-news.com/agnes-palmisano-und-klezmer-reloaded-beim-kultursommersemmering/25268/

 

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