SOMMERREMiNiSZENZ(EN)

AGNES PALMiSANO & KLEZMER RELOADED
DO, 11. August 2022, 19h Panoramaterrasse LKH Laas

SOMMERREMiNiSZENZ(EN)

Wer sich täglich dem Spannungsverhältnis von GLOBALER VERANTWORTLiCHKEiT & HEiMATLiEBE auszusetzen bereit ist, wird ein Konzert von AGNES PALMiSANO & KLEZMER REALOADED in außergewöhnlicher und atemberaubender Kulisse besonders genießen. Spiegelt es doch – auch gemäß dem Anforderungsprofil des ViA iULiA AUGUSTA Konzertsommers – Teil einer STREUOBSTWiESE zu sein – die universelle Liebenswürdigkeit des Spektrums der Kulturen unseres Heimatplaneten wider. Ob Variationen zu Gustav Mahlers „Symphonie no. 1“, „Ich hab ein glühend Messer“, oder auch Arnold Schönbergs „Mahnung“ – wie leicht/easy und wie nahe/near liegt Traditionelles „Muatterl, i bin verliebt“ bei „Oy Mame, bin sikh farlibt“ von Abraham „Abe“ Ellstein. Vor allem auch in Anbetracht dessen, dass die Hetzer*innen (nit nur im Netz …) bei ihren Versuchen zu zündln auch künftig nit ruhn (werden), ist einmal mehr zu betonen, dass Unterhaltung vor allem auch mit Haltung zu tun hat – HUMANiSTiSCHER GEiSTESHALTUNG – mehr denn je. EiN BESONDERES, HERZLiCHES DANKE an AGNES PALMiSANO, ALEXANDER SHEVCHENKO (Osteuropäisches, chromatisches Knopfakkordeon) & MACiEj GOLEBiOWSKi (Klarinette).

claudia rosenwirth-fendre, Nötsch

Rezension „In Finstan“ von Robert Anders

Agnes Palmisano * In Finstan * CD

Aus dem Küchenradio erklingt Musik von John Dowland und untermalt die Vorbereitungen zum Abendessen. Der Zwiebel ist schon geschnitten und das Gemüse gewaschen, bis es endlich ins Bewusstsein sickert: An dieser Version von „Come again“ ist irgendetwas grundlegend anders als bei allen bisher gehörten Varianten. Aber was ist es? Richtig! Die Frauenstimme mit dem unglaublichen Stimmumfang, die soeben dieses rund 400 Jahre alte Lied intoniert, singt tastsächlich im Wiener Dialekt. Da wird „to see, to hear, to touch, to kiss“ zu „dich sehn, vastehn, dich g‘spürn, berührn“. Getragen von einem vertrauten Klangteppich aus Kotragitarre, Violine und Schrammelharmonika. Nach dem zweiten Hinhören besteht kein Zweifel mehr: Da traut sich jemand waghalsig im Stile eines Wiener Schrammelliedes an den großen John Dowland. Und diese mutige Person ist keine Geringere als Agnes Palmisano. Vorneweg sei es gleich verraten: Ihre Courage zahlt sich aus!

Agnes Palmisano hat die Texte von elf Dowland-Liedern aus dem Englisch der Renaissance in den Wiener Dialekt übertragen und mit drei großartigen Musikern – Daniel Fuchsberger, Aliosha Biz und Andreas Teufel – in ein außergewöhnliches, absolut hörenswertes Musikereignis gegossen. Sie schafft es spielerisch (und spielend!), die bekannte Dowland‘sche Mischung aus Liebe und Endlichkeit, Verlangen und Sinnlichkeit, als Wiener Melange zu servieren. Es ist nicht zu übersehen – beziehungsweise zu überhören – dass sich das Wienerische schon wie ein bestens präparierter englischer Rasen – sozusagen „wia a g‘mahte Wiesen“ – für exakt diese Musik anbietet. Und da wird dann auch schon mal gedudelt, ohne dass es dem eigentlichen Flair Dowlands den geringsten Abbruch tut – zum Beispiel in „Es tuat ma lad“ (Can she excuse) oder in „Zeit is“ (Now o now I needs must part).

Gemüsemesser weglegen, Herd abdrehen, die Küche bleibt heute kalt, Abendessen ist überwertet! Erst einmal die CD bestellen: Für Liebhaber*innen Alter Musik ein must-have (nicht zuletzt wegen des gelungenen Covers)! John Dowland (London 1563-1626), völlig neu interpretiert: In Finstan, von Agnes Palmisano, die wie sie sagt, in Dowland einen Ausdruck für ihre Gefühlswelt gefunden hat, die sie „sonst vielleicht gar nicht benennen hätte können“.

©Robert Anders, erschienen: Morgenschtean U72/73

SN: Zum Weinen schön: Agnes Palmisano sang John Dowland

In „Die Tiefen der Seele“ hat sich das Publikum im Schubert-Saal des Wiener Konzerthauses am Dienstagabend von Agnes Palmisano schauen lassen. Gern auch noch, wie die begeisterten Reaktionen bewiesen – obwohl es bei dieser Seelenwanderung mit Werken von John Dowland durchaus das angekündigte „Auf und Ab“ gab, bei dem die „Abs“ in die Düsternis überwogen. Schließlich heißt die neue CD „Im Finstan möch i sein“ – Palmisanos Wienerische Übersetzung für „In darkness let me dwell“.

Ob man nun eher an Lia Pale denkt, die mit Komponist und Arrangeur Mathias Rüegg nacheinander Schubert, Schumann, Brahms und Händel einer gründlichen Neuinterpretation unterzogen hat, oder an Roland Neuwirth, der die „Winterreise“ ins Wienerische transponiert hat – Palmisanos Übertragung von Werken des englischen Lautenisten John Dowland (1563-1626), der vor 15 Jahren auch den großen Sting für Neuinterpretationen begeistert hatte, darf als gelungen bezeichnet werden. Mit 16 sei sie bei einer Jugend-Singwoche mit dem Renaissance-Musiker erstmals in Berührung gekommen, „und auch bei der Mama im Kirchenchor“ habe sie Werke von ihm gesungen. Es seien „abgründige Texte, die man mehrdeutig auffassen kann“, sagte sie. Was sie von seinen Liedern angesprochen habe, habe sie versucht, ins Wienerische zu übersetzen – die anderen eben nicht.

Gemeinsam mit ihren traditionellen Begleitern Daniel Fuchsberger (Kontragitarre), Andreas Teufel (Knopfharmonika) und Aliosha Biz (Geige) sowie dem Lautenisten Hermann Platzer bot Palmisano in diesem coronabedingt lange verschobenen Auftritt im Konzerthaus-Abo-Zyklus „Spielarten“ einen Mix aus Wiener Tänzen und Schrammel-Musik, Lauten-Soli und – vor allem – Dowland-Liedern auf Englisch, Wienerisch oder zweisprachig gemischt. Und man musste anerkennen: Das Elisabethanische Zeitalter und die Wienerische Gegenwart passen gut zusammen, das Auftrumpfende und das Abgründige, das Anziehende und das Abschmetternde. Zu den neuen Texten kamen die neuen Arrangements von Andreas Teufel, Gabriel Froihofer, Daniel Fuchsberger und Paul Gulda – und so konnte man sich fallen lassen und wusste sich aufgefangen von Agnes Palmisanos inniger und ausdrucksstarker Stimme.

„I sit, I sigh, I weep, I faint, I die“, schmachtete Palmisano in „Come Again“ zunächst im Original und machte später daraus „I ruaf, i suach, i find di ned, i fluach“. Ja, so geht’s. „Dich sehn, vaschdehn, di gschbüan, berüahn“ – das ist Sehnsucht pur, über Jahrhunderte hinweg verbindend. Viele dieser Lieder berühren Herz und Seele unmittelbar. Doch es geht auch anders: „Wilt though unkind thus reave me“, heißt es etwa bei Dowland, und Palmisano macht daraus: „Du wüüst ma ’s Heazz ausreissen? Und dann gehn? Du lasst mi stehn? Heasst, geh scheissen! Heasst, geh scheissen“, zeigte sich die Sängerin in „Foah o“ unverblümt entzürnt. Und so ging es dahin zwischen lieben und leiden, leben und sterben. Das Leben kann herrlich und furchtbar sein – mit diesen Liedern klingt es jedenfalls zum Weinen schön.

„Danke, Danke, dass Sie da sind! Sie geben unserem Leben einen Sinn!“, huldigte Palmisano ihrem Publikum und machte am Ende „Now o now I needs must part“ zur „Rausschmeißer-Nummer“ „Zeit is“: „Lassts eich nur ned owezaan. Das hat no nie zu was gfiad / Die Wööd wird si scho weidadrahn und im Heazzn klingt a Liad“. Welches Lied das sein könnte, machte sie gemeinsam mit ihren Musikern mit ihrer Zugabe klar: Der Abschluss „In mein Heazz“, tief empfunden und gleichzeitig hoch virtuos, wurde zum Höhepunkt des Abends. Das Lied ist zwar nicht von Dowland, sondern die Titelnummer des vorangegangenen Albums von Agnes Palmisano. Aber das gehört eben noch immer zu den besten Tonträgern, die in Österreich in den vergangenen Jahren erschienenen sind.

Quelle:

https://www.sn.at/kultur/musik/zum-weinen-schoen-agnes-palmisano-sang-john-dowland-117482275

W24: Gesellschaftskonzert “In Finstan”

Die musikalischen Werke der „Songs of Darkness“ von John Dowland wurden vom Altenglischen ins Wienerische übersetzt. Bei einem Konzert im Musikverein werden sie von Agnes Palmisano dargeboten. Statt “In darkeness let me dwell” heißt es nun “In Finstan möcht’ i sein”. Agnes Palmisano und ihr Trio schaffen es Dowlands bewegende Musik in die Gegenwart zu holen und sie zeitlos wirken zu lassen. Das alles gibt es auch auf dem neuen Album „In Finstan“ als CD, erschienen auf Preiser Records.

https://www.w24.at/News/2021/10/Gesellschaftskonzert-In-Finstan

Presseberichte Wiener Abend

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pressebericht Wiener Abend_2021-07-15

Kleine Zeitung: Musikalische Nachtschattengewächse bei der styriarte

Von der Melancholie bis zu den Abgründen: die styriarte ließ die Schatten der Nacht Klang werden.

Von Elisabeth Willgruber-Spitz und Martin Gasser | 18.22 Uhr, 14. Juli 2020

Dass ihr „diese Musik aus der Seele spricht“, spürt man bei jeder Strophe der famosen Sängerin, die selbst tiefster Verzweiflung brillante Größe verleiht. Da Agnes Palmisanos Seele aber nicht Shakespeares Englisch spricht, hat sie John Dowlands (1563–1626) elisabethanischen Melancholie-Schatz ins Wienerische übertragen. Die mit Schrammen, Schmerzen, Sehnsucht und Liebe übersäten Lieder des von der Königin einst verschmähten Lautenisten treffen bei Gamben, Gitarre und genialem Schrammel-Ausflug gut 400 Jahre später auf die Wiener Schwester im Gemüt.

Mit dem Armonico Tributo Consort unter Lorenz Duftschmid und dem Palmisano Quartett mit „Teufelsgeiger“ Aliosha Biz schraubte sich die Premiere von „In Finstan möcht’ i sein“ bei der styriarte auf der Grazer Schloßbergbühne vom emotional-musikalischen Kellertief zum Hochtraurigen, das in schillerndem Klang „glücklich macht“. Dass sich Vermissen und Alleinsein von damals mit dem Zustand heute so bewegend verschränken, brachte sogar die Turmglocke beim begeisterten Schlussapplaus zum Schlagen.

 

Quelle: https://www.kleinezeitung.at/kultur/festspiele/5839588/Kritik_Musikalische-Nachtschattengewaechse-bei-der-styriarte

Agnes Palmisano – Styriarte 2020 (PDF – KLZ)

Styriarte: Tief – Tiefer – Schubert – Dowland

DIE NACHT NICHTET

Noch existenzieller geht es zur gleichen Zeit an einem anderen Schauplatz der styriarte zu, auf dem Schlossberg. Dort sind die Nacht und das Nichts heute ein Paar in todesnaher Umschlingung; dort führt uns Agnes Palmisano an die Grenzen des Lebensmuts. Den Weg dorthin hat ihr John Dowland gezeigt, der unsterbliche Singer/Songwriter der Shakespearezeit. Aber natürlich macht sie ganz ihr Eigenes daraus, nämlich ein Wienerisches, Tiefschwarzes.

„Obs’d stinkert bist oder rasiert, vü schena wer‘ ma nimma“, singt die Palmisano in ihrer Version von „Come Away, Come Sweet Love“. Und das ist mit Abstand das Fröhlichste, was wir heute von ihr hören. In grotesker Entrückung schwebt sie durch den Titelsong „In Finstan möcht‘ i sein“ („In Darkness Let Me Dwell“), in dem das Ächzen der Geige von den Bitternissen einer verzweifelten Seele kündet. Nicht allzu viel Spielraum für Interpretationen lässt das Ende der Nummer: „Scheiß Leben, foahr endlich o!“

Dafür kann man die ultimative Weisheit „Mei Leben hat kan Sinn“ erstaunlich beschwingt musizieren, wie die beiden Bands des Abends in freundschaftlichen Duellen darlegen: hüben das wienerisch besetzte und mit allerhand urigen Preziosen aufwartende Agnes Palmisano Quartett; drüben das erlesene, vor Originalklangzauber nur so duftende Armonico Tributo Consort rund um Gambenmeister Lorenz Duftschmid.

Quelle: https://styriarte.com/styriarte-blog/traeumerei-in-finstan/

 


 

 

 

 

 
Fotos: Nikola Milatovic

Geras klingt wieder

Folklore und Klassik eng beieinander

Neue Ära auf der wunderschönen Waldbühne

Als Berta Fliederbusch agiert die in Wien geborene Koloratursopranistin Agnes Palmisano und sie singt und spielt ihre Partie leidenschaftlich und voller Elan. Mit klarem, höhensicheren und durchschlagskräftigem Sopran weiß sie für sich einzunehmen und sie gestaltet auch den sogenannten „Wiener Dudler“, einen Wiener Koloraturjodler, den sie vorzüglich beherrscht mit einem eigens eingeschobenen Gesangstück von Carl Millöcker. Für diese Art der Koloratur gilt sie als ausgesprochene Expertin und eine der führenden Interpretinnen. Viel Beifall für ihre teilweise schwindelerregenden Koloraturen, wie auch für ihr natürliches und einfühlsames Spiel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Sven Kaufmann

Quelle:

https://www.deropernfreund.de/heldritt-6.html

 

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